Worst Practice: Wie bringen wir Projekte zuverlässig zum Scheitern?

Best Practice Erfahrungen sind nützlich und lehrreich. Aber Best Practice kann ja jeder, haben wir uns gedacht. Und eigentlich sind sie auch meist banal und selbstverständlich. Da man aus Fehlern bekanntlich am Besten lernt, haben wir hier die besten “Worst Practice-Beispiele” für Projektmanagement zusammen gesammelt. Wie können wir Projekterfolg zuverlässig verhindern, behindern und Projekte regelmäßig zum Scheitern bringen?

Die Sammlung ist über die Zeit entstanden und immer weiter gewachsen. Eigene Projekte in unterschiedlichen Organisationen, aber auch die gesammelten Erfahrungen von Projektmanagern und Projektteilnehmern aus vielen, vielen Managementtrainings sind hier eingeflossen. Ja, Projektmanagement ist nicht einfach. Aber es macht Spaß, bringt (hoffentlich) die Organisation voran und man kann viel dabei lernen. Im Guten wie im Schlechten… Die Worst Practice-Beispiele passen übrigens auch auf viele sonstige Situationen im Arbeitsalltag, oder?

Hast Du weitere „gute“ Worst Practice Beispiel und Storys? Wir freuen uns auf Deine Kommentare!

Hier also die 19 wichtigsten Worst Practice Beispiele aus der Projektarbeit:

  1. Vergiss die Planungsphase. Planung kostet nur Zeit und hinterher kommt es sowieso anders als man denkt. Also: einfach drauf los! Und: je eher wir starten, umso früher sind wir fertig.
  2. Kümmere Dich als Projektleiter um alles selbst. Auch die kleine Dinge im Leben wie Rechnungen, Hotelbuchungen etc. sind von Bedeutung und sollten daher in den richtigen Händen liegen.
  3.  Unterstützung: Arbeite bei jedem Projekt, egal wie groß das Projekt ist, IMMER mit MS-Project. Mehr braucht man nicht!
  4. Arbeite mit diffusen und ungenauen Definitionen von Anforderungen und Zielen. Das macht später vieles einfacher.
  5. Den Projektplan muss nicht jeder kennen. Dies sichert Dir zum einen Deine Machtbasis und außerdem ist es auch nicht wirklich notwendig. Jeder soll einfach nur seine Aufgaben machen.
  6. Behalte als Projektleiter das Micromanagement im Auge. So kannst Du am einfachsten sicherstellen, dass alles so läuft, wie Du es Dir vorstellst. Die Projektmitarbeiter freuen sich über die Zuwendung durch Dich. Die Motivation im Team steigt.
  7. Führe das Projekt am besten ohne (End-)Kunden durch. Die stören nur die Abläufe. Was ist bitte schön bei Projektmanagement wichtiger als eingehaltene Prozesse?
  8. Ignoriere die Stakeholder! Vor allem die Unbequemen. Die haben nämlich in der Regel ein Kommunikationsproblem.
  9. Kommuniziere vor allem schriftlich. Am Besten per Email mit großem Verteiler. Nutze  die Möglichkeiten des Emailprogramms mit CC: und BCC:. Dazu sind sie da.
  10. Berichte: Probleme löst Du am Besten, wenn Du ausführliche schriftliche Berichte verfasst.
  11. Wenn Du ein Meeting anberaumst, lade möglichst viele Teilnehmer ein. Das erhöht Deinen eigenen Status.
  12. Wissensmanagement: Dokumentiere den gesamten Prozess im firmeneigenen Wiki. Nichts ist spannender für andere Mitarbeiter, als zu lesen, welche Learnings Ihr in Eurem Projekt hattet und wie Ihr vorgegangen seid.
  13. Argumentiere über Deine Autorität, vergiss Fakten! Empirische Nachweise für das Funktionieren bestimmter Vorgehensweisen, Algorithmen oder das Funktionieren eines bestimmten Designs werden total überbewertet. Wenn sie von anderen kommen, weise sie zurück und ignoriere sie. Auch Du selbst musst nicht belegen, warum Du eine Entscheidung so getroffen hast. Mache stattdessen klar, dass Deine eigene persönliche und selbstverständlich vollumfängliche Erfahrung den Erfolg geradezu garantiert, im Gegensatz zu empirischen Erkenntnissen. Verweise ggf. darauf, dass das eben der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist!
  14. Du bist der Einzige, der Ahnung hat! Leider vergessen die Kollegen das häufig. Daher ist es notwendig, Deine ablehnende Haltung gegenüber was auch immer, deutlich zu zeigen. Verdrehe bei Gesprächsbeiträgen anderer die Augen, schaue genervt die Kollegen an, die genauso denken wie du, gib Dich offensiv abgelenkt, unterbreche andere, spiele bewußt gedankenverloren mit Deinem Handy etc. (Wenn Du jünger bist, kannst Du Dich auch hinter dem Schirm Deiner Basecap verstecken.) Sicherlich fallen Dir hier noch ein paar Dinge ein.
  15. Setze Dich durch! Als kleines Kind hattest Du schon eine Strategie drauf, mit der Du vieles durchsetzen konntest: Ich will aber! Heute musst Du damit altersgemäß umgehen, aber sie funktioniert oft noch genauso. Laut werden in der Diskussion, aggressiv Gesprächspartner angehen, das Notebook zuknallen und den Raum verlassen und ähnliches sind hier oft problemlos möglich. Inhaltlich ist es das gute, alte „Ich will aber!“ – aber neu belebt. Immerhin hast Du studiert…
  16. Lernen: Nutze jede Interaktion als Gelegenheit, andere an Deinem Wissen teilhaben zu lassen. Baue kleine „Vorlesungen“ in Meetings ein. Die anderen Teilnehmer freuen sich, etwas von Dir lernen zu können. Und Dein Unternehmen spart Weiterbildungskosten.
    (Bonus Track: Du bist dann wirklich gut, wenn es Dir gelingt, solche Vorträge auch gegenüber jemandem zu halten, der in dem jeweiligen Feld mehr weiß als Du UND es Dir gelingt, Deinen Vortrag ohne jede Pause und Unterbrechung durch zu ziehen. In Pausen oder Unterbrechungen könntest Du feststellen, dass Dein Gegenüber in diesem Feld mehr weiß als Du. Und wer will das schon? )
  17. Konflikte: 1. Vermeiden, dass Konflikte angesprochen werden. 2. Wenn Konflikte doch angesprochen werden, eskaliere diese in die nächst höhere Instanz – unabhängig von ihrer Wichtigkeit. Das Management soll schon auch sehen, mit was für Kleinigkeiten Du Dich rumärgern musst.
  18. Nur Weicheier machen Risikomanagement! Als erfahrener Projektleiter oder Projektmitarbeiter schaffst Du das auch ohne. Außerdem sieht das Projekt immer viel besser aus, wenn man Risiken nur konsequent genug ignoriert.
  19. Arbeite an Deinem Märtyrer-Status! Wenn Du alle diese Punkte beherzigst, könnte es sein, dass Deine Kollegen nicht mehr sooo gerne mit Dir zusammen arbeiten wollen. Lass daher alle wissen, dass Du nur versuchst zu helfen und versuchst, aus ihnen bessere Mitarbeiter zu machen. Und dass die fehlende Dankbarkeit eher was über die Kollegen aussagt, als über Dich.

Na, in welchen dieser Punkte seid Ihr selbst gut? Oder Eure Kollegen? Was habt Ihr dazu selbst erlebt? Wir freuen uns über Ergänzungen in den Kommentaren oder gerne auch per Mail oder auf Facebook. Das eine oder andere werden wir ggf. hier mit aufnehmen.

P.S. Um kurz vor Schluss keine falschen Gedanken aufkommen zu lassen: Selbstverständlich sind das alles Punkte, die ich nur von Hörensagen kenne. In den verschiedenen Unternehmen und Organisationen, mit denen ich aktuell zu tun habe, kommen diese Punkte selbstverständlich nicht zum Tragen. Es handelt sich hier eher um eine Sammlung und allenfalls Erfahrungen aus den früheren Jahren meiner Tätigkeit! (WT)

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